Kodierwissen März 2026 – Multiorganversagen bei terminaler Niereninsuffizienz | Salvany GmbH
Fall des Monats

Multiorganversagen bei terminaler Niereninsuffizienz – welche Hauptdiagnose?

März 2026
Aufnahmesituation

Ein 67-jähriger Patient mit bekannter terminaler Niereninsuffizienz bei diabetischer Nephropathie (bislang ohne Dialysepflicht) wird notfallmäßig bei starker Überwässerung, Luftnot und Hyperkaliämie aufgenommen. Im Aufnahme-EKG Zeichen einer beginnenden kardialen Erregungsstörung durch die Elektrolytentgleisung.

Behandlungsverlauf

Notfallmäßige Anlage eines Dialysekatheters und Beginn einer kontinuierlichen Nierenersatztherapie (CVVH) zum Flüssigkeitsentzug und Elektrolytausgleich. Am Aufnahmetag zunehmende respiratorische Insuffizienz bei beginnendem Lungenödem, Intubation und invasive Beatmung. Im weiteren Verlauf Entwicklung einer beatmungsassoziierten Pneumonie sowie einer Sepsis mit Kreislaufinstabilität, die eine Katecholamintherapie erforderlich macht. Tracheotomie am Tag 9 bei prolongiertem Weaning.

Aufgetretene Komplikationen im Verlauf

Niere

Terminale Niereninsuffizienz, neu dialysepflichtig, CVVH über gesamten Aufenthalt

Lunge

Beatmungsassoziierte Pneumonie, invasive Beatmung über 14 Tage, Tracheotomie

Kreislauf

Sepsis mit Katecholaminpflicht, SOFA-Score 11 Punkte im Maximum

Kodieroptionen

Drei Diagnosen mit vergleichbarem Ressourcenverbrauch

Variante 1 – Niereninsuffizienz als Hauptdiagnose
ICD Hauptdiagnose
N18.5 Chron. Niereninsuff., Stadium 5
Nebendiagnosen
J95.851, A41.9, J96.00
OPS
8-854.2, 8-701
DRG L60A
Variante 2 – Sepsis als Hauptdiagnose
ICD Hauptdiagnose
A41.9 Sepsis, nicht näher bezeichnet
Nebendiagnosen
N18.5, J95.851, J96.00
OPS
8-854.2, 8-701
DRG A09B
Was würde der MD sagen?

Prüfrelevanz dieses Falls

Bei intensivmedizinischen Verläufen mit mehreren schweren Komplikationen ist die Hauptdiagnosenwahl einer der am häufigsten beanstandeten Punkte – der MD prüft hier regelmäßig, ob die gewählte Hauptdiagnose durch eine nachvollziehbare Ressourcenabwägung gedeckt ist oder ob schlicht die erlösstärkste Diagnose gewählt wurde. Ohne strukturierte Verlaufsdokumentation lässt sich diese Abwägung im Nachhinein kaum rekonstruieren.

In unseren Mandaten erstellen wir bei komplexen Intensivfällen eine tageweise Aufwandsdokumentation je Diagnose – sie ist die Grundlage, mit der sich die Hauptdiagnosenwahl gegenüber dem MD im Zweifel belegen lässt.

Anwendbares Regelwerk

Regelwerke, die in Betracht gezogen werden können

  • DKR D002 – Hauptdiagnose, Abschnitt „Zwei oder mehr Diagnosen, die gleichermaßen der Definition der Hauptdiagnose entsprechen"
  • DKR D003 – Nebendiagnosen bei multiplen Komplikationen im intensivmedizinischen Verlauf
  • Entscheidungspraxis des Schlichtungsausschusses zu vergleichbaren Mehrfachkomplikationsfällen
Einschätzung von Salvany

Unsere Empfehlung für diesen Fall

Da die Niereninsuffizienz der initiale Aufnahmegrund war und die Nierenersatztherapie über den gesamten Aufenthalt fortgeführt wurde, während die Sepsis erst im Verlauf als Komplikation hinzutrat, ist nach DKR D002 Variante 1 vorzugswürdig: N18.5 als Hauptdiagnose, mit Sepsis und Pneumonie als Nebendiagnosen, die den intensivmedizinischen Mehraufwand zusätzlich abbilden.

Entscheidend ist die durchgängige Dokumentation der CVVH-Tage sowie der täglichen SOFA-Scores – nur so lässt sich im Streitfall nachweisen, dass die Nierenersatztherapie über den gesamten Verlauf der dominierende Behandlungsschwerpunkt war.

Solche Fälle gehören zum Alltag Ihrer Kodierabteilung?

Salvany übernimmt klinische Dokumentation und DRG-/OPS-/ICD-Kodierung als Managed Service – strukturiert, geprüft und auf MD-Anfragen vorbereitet.

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