Kodierwissen Juni 2026 – Zu wenig Material für die Histo, was tun? | Salvany GmbH
Fall des Monats

Zu wenig Material für die Histo – was tun?

Juni 2026
Aufnahmesituation

Ein Patient stellt sich mit einem bekannten rezidivierenden Urothelkarzinom der Harnblase (pTaG1 Low grade, ED 2016) erneut zur TUR-B vor. Multiple Resektionen, zuletzt Tumornachweis 2020; zuletzt makroskopisch papilläre Befunde ohne Nachweis von Malignität.

OP-Bericht (gekürzt)

Systematische Zystoskopie: Urothel ubiquitär vermehrt gefäßinjiziert. Narbig-sklerotisches Areal am Blasenboden. Unmittelbar vor dem lateral gelegenen Ostium links findet sich eine winzige papilläre Tumorstruktur (ca. 1/3 Schlingenbreite), die in toto reseziert und zur Histopathologie eingesandt wird. Punktförmige Urothelveränderungen am Dach und an der Hinterwand werden koaguliert. Procedere: Mitomycin-Frühinstillation, keine Nachresektion.

Histologie

Nach labortechnischer Bearbeitung kein verbliebenes Material zur Anfertigung eines histologischen Schnittpräparates. Die klinische Fragestellung – Rezidiv eines papillären Blasentumors? – kann am vorliegenden Material nicht beantwortet werden.

Kodieroptionen

Drei mögliche Varianten

Variante 1
ICD Hauptdiagnose
C67.0
Nebendiagnosen
C97, C67.1, C67.4
OPS
5-573.40
DRG L20C
Variante 2
ICD Hauptdiagnose
D41.4
Nebendiagnosen
C67.8
OPS
5-573.40
DRG L20N
Variante 3
ICD Hauptdiagnose
D30.3
Nebendiagnosen
C67.8
OPS
5-573.40
DRG L20N
Was würde der MD sagen?

Prüfrelevanz dieses Falls

Genau diese Konstellation – fehlendes Histologiematerial bei klinisch begründetem Verdacht – zählt zu den häufigsten Streitpunkten in MD-Prüfungen onkologischer Fälle. Die Wahl zwischen gesicherter und Verdachtsdiagnose entscheidet nicht nur über die DRG, sondern auch über das Kürzungsrisiko im Nachgang.

In unseren Managed-Service-Mandaten ist dieser Falltyp einer der Fälle, die wir systematisch für die Vorbereitung auf MD-Anfragen dokumentieren – inklusive Begründungstext im OP-Bericht.

Anwendbares Regelwerk

Regelwerke, die in Betracht gezogen werden können

  • DKR D008b – Verdachtsdiagnose
  • Lokale Instillation von Mitomycin zur Behandlung einer invasiven Komponente
Einschätzung von Salvany

Unsere Empfehlung für diesen Fall

Ohne verbliebenes Histologiematerial lässt sich eine maligne Diagnose nicht sichern – die Kodierung muss sich am makroskopisch-klinischen Befund sowie der Verdachtsregel DKR D008b orientieren. Variante 2 bildet die Befundlage am konsistentesten ab: D41.4 als Hauptdiagnose mit C67.8 als Nebendiagnose, ohne die Malignität vorwegzunehmen, die histologisch nicht bestätigt werden konnte.

Entscheidend ist die lückenlose Dokumentation im OP-Bericht, warum trotz fehlendem Material von einer Verdachtsdiagnose statt einer gesicherten Neoplasie ausgegangen wird – genau dieser Begründungstext ist es, der den Unterschied bei einer späteren MD-Prüfung macht.

Solche Fälle gehören zum Alltag Ihrer Kodierabteilung?

Salvany übernimmt klinische Dokumentation und DRG-/OPS-/ICD-Kodierung als Managed Service – strukturiert, geprüft und auf MD-Anfragen vorbereitet.

Gespräch vereinbaren
Scroll al inicio