Kodierwissen April 2026 – Diabetisches Fußulkus: Wie wird die Mehrfachkodierung korrekt abgebildet? | Salvany GmbH
Fall des Monats

Diabetisches Fußulkus – wie wird die Mehrfachkodierung korrekt abgebildet?

April 2026
Aufnahmesituation

Ein 59-jähriger Patient mit langjährigem, schlecht eingestelltem Diabetes mellitus Typ 2 (HbA1c 9,8 %) stellt sich mit einer seit drei Wochen bestehenden, zunehmend übel riechenden Wunde am rechten Vorfuß vor. Anamnestisch bekannte diabetische Polyneuropathie.

Lokalbefund und Diagnostik

Plantar am rechten Vorfuß ca. 3 x 2 cm großes, tief reichendes Ulkus mit putridem Belag und freiliegender Sehnenstruktur. Umgebung gerötet, überwärmt, druckdolent. Röntgen Fuß: keine sichere ossäre Beteiligung. Im Wundabstrich Nachweis von Staphylococcus aureus. Knöchel-Arm-Index unauffällig, keine relevante periphere arterielle Verschlusskrankheit.

Therapie

Chirurgisches Wunddebridement mit Entfernung des nekrotischen Gewebes, anschließende Vakuumtherapie. Parallel intensivierte Insulintherapie zur Stoffwechseloptimierung sowie systemische Antibiose nach Antibiogramm.

Kreuz-Stern-Systematik

Ätiologie und Manifestation getrennt verschlüsseln

Diabetische Folgeerkrankungen werden nach DKR D012 als Ätiologie-Manifestations-Paar kodiert: der Kreuz-Kode beschreibt die Grunderkrankung, der Stern-Kode die lokale Manifestation.

† Ätiologie (Kreuz)
E11.74†

Diabetes mellitus Typ 2, mit multiplen Komplikationen, als entgleist bezeichnet

* Manifestation (Stern)
L97.4*

Ulkus der Extremitäten, anderenorts nicht klassifiziert – Fuß

Kodieroptionen

Reihenfolge der Diagnosen in der Fallakte

Variante 1 – Stern-Kode als Hauptdiagnose
ICD Hauptdiagnose
L97.4 (ohne Kreuz-Zusatz)
Nebendiagnosen
E11.74, G63.2
OPS
5-893.0d
Unvollständig kodiert
Variante 2 – Kreuz vor Stern, vollständiges Paar
ICD Hauptdiagnose
E11.74†
Nebendiagnosen
L97.4*, G63.2
OPS
5-893.0d
DRG K01C
Was würde der MD sagen?

Prüfrelevanz dieses Falls

Ein isoliert kodierter Stern-Kode ohne den zugehörigen Kreuz-Kode ist einer der häufigsten formalen Kodierfehler bei diabetischen Folgeerkrankungen – und wird vom MD nicht als inhaltlicher Streitpunkt, sondern als technischer Mangel der Falldokumentation zurückgewiesen. Das Ergebnis ist eine Anpassung der Vergütung unabhängig davon, ob die klinische Versorgung korrekt war.

In unseren Mandaten prüfen wir Diabetes-Folgefälle systematisch auf Vollständigkeit des Kreuz-Stern-Paares, bevor sie die Kodierabteilung verlassen – ein einfacher, aber häufig übersehener Kontrollschritt.

Anwendbares Regelwerk

Regelwerke, die in Betracht gezogen werden können

  • DKR D012 – Mehrfachkodierung, Kreuz-Stern-Systematik bei Ätiologie und Manifestation
  • DKR D002 – Hauptdiagnose bei diabetischen Folgeerkrankungen
Einschätzung von Salvany

Unsere Empfehlung für diesen Fall

Da das Ulkus eine direkte diabetische Folgeerkrankung ist, muss das vollständige Kreuz-Stern-Paar verschlüsselt werden: Variante 2 ist korrekt – E11.74† als Hauptdiagnose mit L97.4* als zugehörigem Manifestationskode. Eine isolierte Kodierung des Stern-Kodes, wie in Variante 1, bildet die Fallschwere unvollständig ab und führt regelhaft zu Rückfragen oder automatisierten Prüfauffälligkeiten.

Die periphere Neuropathie (G63.2) sollte zusätzlich als Nebendiagnose erfasst werden, da sie die Wundheilungsstörung und den erhöhten pflegerischen Aufwand mitbegründet.

Solche Fälle gehören zum Alltag Ihrer Kodierabteilung?

Salvany übernimmt klinische Dokumentation und DRG-/OPS-/ICD-Kodierung als Managed Service – strukturiert, geprüft und auf MD-Anfragen vorbereitet.

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